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Schlagwort-Archive: Kirche

Evangelische Kirche: Rogate-Kloster als Werk anerkannt

Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) hat das Rogate-Kloster Sankt Michael zu Berlin als “geistliche Gemeinschaft” und Teil der Kirche anerkannt. Die Kirchenleitung hofft auf einen “Impuls zum geistlichen Leben in der Landeskirche”. Der Entscheidung war eine Visitation des Kirchenkreises Schöneberg und eine jahrelange intensive Prüfung der Anliegen des Klosters durch das Konsistorium vorausgegangen.

Auf Einladung der Schöneberger Zwölf-Apostel-Gemeinde ist das Kloster bzw. seine Vorgängerinitiative seit 2008 in den Räumen der Kirchengemeinde zu Gast. Mehrmals wöchentlich feiern die Konventsmitglieder öffentlich Gottesdienst in der Nähe des Nollendorfplatzes gelegenen Kirche und laden zu Veranstaltungen in das Gemeindehaus ein. Rogate engagiert sich u.a. für die gemeindeeigenen Kirchhöfe durch Fürbitt-Andachten auf den Friedhöfen für ordnungsbehördlich bestattete Verstorbene, die ohne kirchliche Trauerfeier beigesetzt wurden.

Die EKBO-Kirchenleitung hält in ihren Beschluss eine Arbeitsteilung zwischen der Schöneberger Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde und dem Kloster “bis hin zur Übernahme gemeindlicher und kirchlicher Aufgaben durch die Kommunität” für wünschenswert.

Die ökumenisch orientierte Rogate-Gemeinschaft ist aktuell auf der Suche nach eigenen Räumlichkeiten um Spiritualität, Wohnen, Bildungsarbeit und soziales Engagement zu verbinden. Zum Kloster gehören 20 Christen aus verschiedenen Kirchen, die sich als Unterstützende oder Janitoren zur Klosterzugehörigkeit verpflichtet haben. Derzeit drei Brüder bilden den Konvent der Rogate-Gemeinschaft. Sie hat sich eine Ordnung gegeben, die sich an der Ordensregel des Heilgen Augustinus orientiert.

Ehrenmitglieder des Trägervereins des Klosters sind u.a. Pater Klaus Mertes SJ und der Bischof von Saltillo, José Raúl Vera López.

Das Kloster soll, so die Leitung der rund 1,2 Millionen evangelische Christen zählende Landeskirche, in das Projekt “Kleine geistliche Gemeinschaften” des landeskirchlichen Reformprozesses eingebunden werden. Der Aufsicht zugeordnet ist das Kloster der Berliner Generalsuperintendentin Ulrike Trautwein. Zur EKBO gehören 1.500 Kirchengemeinden, die in 35 Kirchenkreise und drei Sprengeln organisiert sind. Prior des Klosters ist Br. Franziskus RGSM.

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Regenbogenfonds: Jenseits von Eden – Gottesdienst zur Eröffnung am Freitag

Rogate-Messe zur Stadtfest-Eröffnung des RegenbogenfondsDie Glocken der Zwölf-Apostel-Kirche in Berlin-Schöneberg läuten am Freitag, 14. Juni 2013, das 21. Stadtfestes des Regenbogenfonds ein. Es findet seit 1993 jährlich statt und erstreckt sich über die Motzstraße, Eisenacher Straße, Fuggerstraße und die Kalckreuthstraße. Mit ca. 420.000 Besuchern ist es heute das größte homosexuelle Straßenfest in Europa.

Das Rogate-Kloster St. Michael lädt bereits zum vierten Mal zu einem ökumenischen Gottesdienst zur Eröffnung des großen Schöneberger Bürgerfestes in die nah gelegene Zwölf-Apostel-Kirche ein. Die liturgische Feier gehört zum offiziellen Rahmenprogramm des Festes. Das Kloster ist beim Straßenfest mit einem eigenen Infornationsstand vertreten.

Nach Pfarrer Manfred Moll (2010), Superintendentin Dr. Birgit Klostermeier (2011) und Dekan Ulf-Martin Schmidt (2012) predigt in diesem Jahr Pfarrerin Andrea Richter, Beauftragte für Spiritualität der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO).

Beteiligt sind beim Festgottesdienst unter anderem der Friedenauer Posaunenchor unter der Leitung von Christian Syperek, Pfr. Ulf-Martin Schmidt (Alt-katholische Gemeinde Berlin), Rev. Stephan Kienberger (American Church Berlin), MdA Lars Oberg (SPD) und Pfr. Burkhard Bornemann (Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde). Die große Schuke-Orgel spielt Malte Mevissen.

Ein Teil der am Abend eingesammelten Kollekte ist für die Flutopferhilfe in Passau bestimmt. Die dortige Auferstehungsgemeinde soll bei der Wiederherstellung ihrer Kapelle finanziell unterstützt werden.

Termin des Eröffnungsgottesdienstes: Freitag, 14. Juni 13, 19.30 Uhr, Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostel-Kirche 1, Berlin-Schöneberg.

Erreichbar ist die Kirche mit öffentlichen Verkehrsmitteln über die U-Bahnhöfe: Kurfürstenstraße (U1) Nollendorfplatz (U1, U2, U3, U4). Oder per Bus: Kurfürstenstraße (M85, M48), Nollendorfplatz (M19, 187) und Gedenkstätte Dt. Widerstand (M29). PKW-Stellplätze vor dem Gemeindezentrum und in der Genthiner Straße.

Weitere Hinweise auf Gottesdienste des Rogate-Klosters finden Sie hier.

 

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Aktuell: Pater Klaus Mertes zum Rogate-Ehrenmitglied ernannt.

Die Rogate-Initiative hat Pater Claus Mertes SJ mit einer Ehrenmitgliedschaft in der Ökumenischen Rogate-Initiative ausgezeichnet. Insbesondere soll nach dem Willen der Mitgliederversammlung durch diese Auszeichnung „sein Einsatz für die Kirche, sein herausragendes Engagement in der Ökumene und sein unverzagtes Beschreiten neuer Wege gewürdigt werden.“

In einem einstimmig gefassten Beschluss heißt es weiter: „Sein öffentlicher Einsatz gegen Homophobie in der Kirche hat nicht nur katholische Christen ermuntert, stiftet Hoffnung und ist für uns gebotene Solidarität. Sein Eintreten gegen Ausgrenzung und Diskriminierung Andersliebender und Andersgeprägter ist vorbildlich. Wir freuen uns über weitere überraschende und fröhliche Impulse durch ihn für unsere Kirchen und sagen ihm dafür die Unterstützung der Rogate-Initiative zu.“

Pater Mertes hat zu unserer großen Freude heute die Rogate-Ehrenmitgliedschaft angenommen. Wir freuen uns, dass wir dadurch eine Verbindung halten können, obwohl er im Sommer Berlin verlassen wird. Mertes: „Sie wird mir eine Gelegenheit sein, immer wieder an die gute ökumenische Zusammenarbeit in Berlin zu denken.“

Als Sohn einer Diplomatenfamilie verbrachte Mertes die ersten elf Lebensjahre im Ausland (Marseille, Paris, Moskau). Von 1966 bis 1973 besuchte er das Aloisiuskolleg in Bonn-Bad Godesberg und engagierte sich dort im ND (Bund Neudeutschland – Katholische Studierende Jugend). Seinen Wehrdienst 1973 bis 1975 absolvierte er beim Stabsmusikkorps der Bundeswehr in Siegburg. Zwischen 1975 und 1977 studierte er Slawistik und Klassische Philologie in Bonn. 1977, mit 23 Jahren, trat Mertes in den Jesuitenorden in Münster ein. Nach dem Noviziat studierte er Philosophie in München sowie Theologie an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt am Main. 1986 empfing er die Priesterweihe.

Nach seinem Referendariat in Frankfurt am Main war er seit 1990 im Schuldienst tätig, zunächst an der Sankt-Ansgar-Schule in Hamburg. 1994 wurde er nach einem Auslandsjahr in Nordirland Lehrer am katholischen Gymnasium Canisius-Kolleg Berlin. Seit 2000 ist er dessen Rektor. Daneben unterrichtet er weiterhin Latein und Religion. Seit 2008 ist der Rektor des Canisius-Kollegs qua Amt zugleich Rektor der Kirche Maria Regina Martyrum, der Gedenkkirche der Katholiken in Deutschland für die Opfer des Nationalsozialismus. Zum 1. September 2011 wird Mertes als Direktor an das Kolleg St. Blasien im Schwarzwald wechseln.

Gründet wurde die Ökumenische Rogate-Initative, die Klaus Mertes zum Ehrenmitglied erklärt hat, am 9.9.2009. Ziele sind des eingetragenen Vereins sind: „Bewegung bringen in die ökumenische Andachtsarbeit, für soziale Projekte sorgen, gegen Hassgewalt und Homophobie eintreten und übergemeindlich-überkonfessionell nachhaltig zusammenarbeiten.“ Die paritätisch zusammengesetzte Gruppe besteht aus katholischen und evangelischen Christen, Kirchenfernen und Unterstützern dem Bundesgebiet. Aus der Initiative ist das Ökumenische Rogate-Kloster St. Michael zu Berlin hervorgegangen.

 

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Aktuell: 200 Jahre Talar in Deutschland. Eine Ansichtssache.

Der schwarze Talar wurde vor 200 Jahren eingeführt. Das Rogate-Kloster würdigte dies mit einer achtteiligen Reihe und hat Frauen und Männer, Katholiken und Protestanten, Geistliche und Laien um ihre Meinung gefragt. Hier ein Ausschnitt:

Jochen Bohl, 60, Dresden, Landesbischof der Ev.-luth. Landeskirche Sachsens. „Als junger Vikar war ich skeptisch, ob so etwas wie eine „Amtstracht“ überhaupt gebraucht wird. Das habe ich dann aber schnell gelernt – wie sehr nämlich das Amt den Menschen trägt, dem es übertragen ist; und dafür ist der evangelische Talar ein sprechendes Zeichen. Gerade mit seiner schlichten Nüchternheit bin ich sehr einverstanden, er ist ja von seinem Ursprung her ein Gelehrtentalar und so ist es angemessen, dass er die Pfarrerinnen und Pfarrer, die „Lehrer des Wortes“ kleidet. Insofern ist der Talar ein Hinweis auf das sola scriptura, das in das Zentrum des Selbstverständnisses unserer Konfession gehört. Kein anderes Land hat eine solche Tradition wie Deutschland als das Ursprungsland der Reformation. Vor diesem Hintergrund gehört der schwarze Talar mit Beffchen zu dem „Eigenen“ unserer Konfession. Er bezeichnet die geistliche Heimat, die mir lieb ist.

Fulbert Steffensky hat einmal davon gesprochen, dass der Protestantismus in seinen Selbstinszenierungen schwach ist; und hat den Talar in diesem Zusammenhang als das „unerotischste aller liturgischen Kleidungsstücke“ bezeichnet. Aber diese Schwäche sei eine, wenn auch von manchen nicht gewürdigte, und darum unbelohnte Stärke. So sehe ich es auch; und für diese besondere Prägung bin ich dankbar.“

Ulrich Rüß, 67 Jahre, Hamburg, Pastor, evangelisch-lutherisch. „Im Namen des Dreieinigen Gottes ist jeder Gottesdienst die wichtigste Feier, ein freudiges Fest, das Himmel und Erde, Gott und Mensch verbindet. ER ist gegenwärtig, spricht zu uns durch sein Wort, in der Eucharistie feiern wir die reale Gegenwart Christi in Brot und Wein. Die gefeierte Liturgie der Messe bringt die Entsprechung von Inhalt und Form beispielhaft zum Ausdruck. Der schwarze preußische Talar mit Beffchen, ein Gewand, das sich einer Kabinettsorder eines preußischen Königs verdankt, weder christlich, liturgisch noch typisch evangelisch ist, sondern bürgerlich und einem modischen Zeitgeist vor 200 Jahren entspricht, steht heute mehr für Tristesse und Trauer, jedenfalls nicht für Freude und Fest. Nun machen bunte Gewänder noch keinen guten Gottesdienst, aber liturgische Gewänder, die Albe mit Stola in der jeweils liturgischen Farbe, ggf. auch die Kasel unterstreichen mit ihrer christlichen symbolhaften Deutung den Inhalt und das Wesen des Gottesdienstes. Von Martin Luther wissen wir, dass er an den alten liturgischen Gewändern festhielt. Der wünschenswerte Abschied vom schwarzen Talar ist somit kein Verrat an der Reformation oder Anbiederung an die röm.-kath. Kirche, vielmehr entspricht die liturgische Gewandung mit der Farbe Weiß der Freude des Evangeliums und des Festes mit Gott und einer gesamtkirchlichen aussagestarken liturgisch-gottesdienstlichen Tradition. Die anzustrebende Wiederentdeckung der liturgischen Gewänder im evangelischen Gottesdienst unterstreicht darüber hinaus die wünschenswerte ökumenische Verbundenheit mit anderen Kirchen.“ Den Beitrag finden Sie zudem hier.

Dr. Ulrich Fischer, geb. 1949, Karlsruhe, Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Baden. „Den schwarzen Talar trage ich gern. Er vermeidet das Missverständnis, als würde ich im Gottesdienst als Privatperson reden. Als Amtstracht lässt er mich als Vertreter der evangelischen Kirche erkennbar werden. Mit Hilfe des Talars tritt meine Person zurück hinter meinem Amt, und das ist gut so. Außerdem macht der Talar die menschlichen Körper irgendwie gleich: Unvorteilhafte körperliche Proportionen werden verdeckt, der Superbody kommt nicht zur Geltung. So wehrt der Talar mancher Eitelkeit, die es auch im Pfarrberuf gibt. Allerdings „predigt“ der Talar auch. Bevor ich den Mund auftue, hat seine schwarze Farbe schon eine Botschaft ausgesandt – bei Beerdigungen in guter Weise, bei anderen Gelegenheiten eher neutral, manchmal aber auch deprimierend. Darum schätze ich es, an besonderen Festtagen dem schwarzen Taler „Farbe zu geben“ – durch eine Stola in der Farbe der Kirchenjahreszeit. Und an den großen Kirchenfesten lasse ich den schwarzen Talar auch manchmal im Schrank und tausche ihn – als Ausdruck der Festtagsfreude – gegen die Albe, die weiße Schwester des von mir so geschätzten schwarzen Bruders.“

Dr. h.c. Frank Otfried July, 56 Jahre, Stuttgart, Landesbischof Evangelische Landeskirche in Württemberg, evangelisch. „Ich weiß noch wie heute, mit welch besonderem Gefühl ich meinen ersten Talar angezogen habe. Es war nach dem Examen und vor meinem Dienstantritt als Vikar. Es wurde mir in einem Augenblick klar, was „Investitur“ wirklich bedeutet:

Mit diesem Talar trägst du dich nicht selbst durch die Kirche, mit deinen Tageseinfällen und Meinungen, sondern die Kirche vertraut dir das Amt der öffentlichen Wortverkündigung an. Dafür stehst du – in deinem Talar.

Daran erinnert mich mein Talar bis heute! Bei vielen ökumenischen Gottesdiensten steht mein Talar für die reformatorische Tradition und Beauftragung. Dennoch trage ich bei manchen Anlässen auch den weißen Talar mit Stola; viele Jahre am frühen Ostermorgen bei der Osterfeier auf dem Friedhof der Diakonissen. Da zeigte der weiße Talar etwas von der neuen Leichtigkeit und dem Glanz am Auferstehungsmorgen. Ebenso wie bei den Schlussgottesdiensten der sozial-diakonischen Vesperkirche in Stuttgart. Dort wird ein „Fest des Lebens“ gefeiert, das schon etwas ahnen lässt vom „Fest ohne Ende“ (Roger Schulz).

Es ist das Evangelium, das uns letztlich umkleidet. Ich möchte weiterhin im schwarzen Talar das Evangelium Sonntag für Sonntag verkündigen, um an besonderen Festen und Feiern im weißen Festgewand Christus zu loben und ihm im Abendmahl zu begegnen.“ Den Beitrag von Bischof Juli finden Sie auch hier.

Den 1. Teil der Reihe „200 Jahre Talar. Ein Textil feiert Jubiläum“ mit Beiträgen u.a. von Maria Jepsen und Hans-Jochen Jaschke finden Sie hier. 2. Teil mit Statements Monika Grütters und Ulrich Fischer finden Sie hier. Der Teil 3 mit Beiträgen von Wolfgang Gern und Ulrich Rüß ist hier zu finden. Teil 4 mit Beiträgen von Pascal Kober und Frank Otfried July hier. Teil 5 mit Wilhelm Hüffmeier hier. Teil 6 mit Statements u.a. von Hans-Martin Heinemann hier. Den Teil 8 hier.

Schwarz ging es nicht immer in evangelischen Gottesdiensten zu. Die Dokumentation „Historische Bilder zum Evangelisch-lutherischen Gottesdienst“ von Helmut Schatz zeigt es. Sie finden sie hier.

 
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Verfasst von - 19. Mai 2011 in Aktuelles

 

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Blick über den Tellerrand: Die Mittwochs-Initiative in der Zwölf-Apostel-Gemeinde

von Regine Wosnitza (veröffentlicht im September 2009)

An Prostitution und Drogen dachte 1874 niemand, als die Zwölf-Apostel-Kirche nach Plänen des Schinkel-Schüler Friedrich August Stüler zwischen Mühlen in der Kurfürstenstraße ihrer Bestimmung übergeben wurde. Doch Industrialisierung, Mietkasernenbau und Bevölkerungswachstum sollten die örtliche Idylle bald beenden.

125 Jahre später – genauer 1991 – schuf die Gemeinde ein zu der Zeit für kirchliche Sozialarbeit einzigartiges Projekt. Seit den 1960er Jahren hatte sich die Kurfürstenstraße in Schöneberg in einen bekannten Straßenstrich verwandelt. Ein „Runder Tisch“ aus Vertretern von Stadtteilvereinen, Bezirksämtern, Polizei und Drogenhilfeprojekten suchte nach Möglichkeiten, die Lebenssituation von AnwohnerInnen zu verbessern und die Not von DrogenkonsumentInnen zu lindern.

Aus dieser Kooperation entstand die Mittwochs-Initiative e.V., die mit Fix-Punkt e.V. kooperiert. Das Projekt ist ein niedrig schwelliges Kontaktangebot für die Drogenszene in der Kurfürstenstraße.

Ende August 2009 besuchte Bischof Dr. Wolfgang Huber auf Einladung von Frater Franziskus die Mittwochs-Initiative e.V.. Danach gab es eine Andacht in der Gemeindekirche für die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Initiative, die Gemeinde, Betroffene, AnwohnerInnen und andere Interessierte.

Bischof Huber stellte seine Ansprache unter das Motto: Jakobus 2,8 “Wenn ihr das königliche Gesetz erfüllt nach der Schrift (3. Mose 19,18): »Liebe deinen Nächsten wie dich selbst«, so tut ihr recht.”

Teil 1 der Ansprache von Bischof Wolfgang Guber in Zwölf-Apostel:

Teil 2 der Ansprache von Bischof Wolfgang Guber in Zwölf-Apostel:

Dieses Motto ist bei der ehrenamtlichen Arbeit jeden Mittwoch zu spüren. Gemeindepfarrer Andreas Fuhr beschreibt es so: Mittags bringt die Berliner Tafel Essen, das zumeist Märkte und Geschäfte sozialen Einrichtungen überlassen. Daraus wird für die Drogenkonsumenten ein Essen frisch zubereitet. In der Küche haben in den letzten zwei Jahren vor allem drei langjährige Mitarbeiterinnen – Ariane Schütz, Gundula Conseur und Berndt Weiß – viel Zeit und Arbeit investiert.

Ab 19 Uhr arbeiten dann noch weitere ehrenamtlichen Helfer mit beim Spritzentausch, weiterer Gesundheitsvorsorge und der Essensausteilung für die Drogenkonsumenten. Momentan stellen Medizinstudentinnen und -studenten der Humboldt-Universität den Großteil derer, die mittwochs hier tätig sind, unterstützt werden sie von einigen erfahrenen Mitarbeitern. Prof. Dr. Persson, der in der Charité lehrt und in unserem Gemeindegebiet wohnt, stellt das Projekt seinen Studentinnen und Studenten vor und einige sind nun schon über zwei Jahre dabei. Das Essen ist nicht nur ein wichtiger Gesundheitsfaktor, sondern auch ein Zeichen von Nähe, ausgedrückt in der sorgfältigen Vorbereitung von Raum und Essen. Gespräche sind erwünscht, müssen aber nicht sein. Es sind dankbare Gäste. Alles wenig spektakulär, aber wie sinnvoll dieser Einsatz ist, kann spätestens erfahren, wer die Arbeit einmal gemacht hat.

Doch die Initiative möchte auch die Situation für die AnwohnerInnen verbessern. Für viele ist das Leben mit dem Straßenstrich angespannt. Drogenabhängige kommen hierher um auf dem Straßenstrich anzuschaffen. Es gibt „öffentliche Druckräume”, wie Hausflure, Spielplätze und U-Bahnhöfe, in denen sich Drogenabhängige unter unmenschlichen Bedingungen ihre Spritze setzen. Herumliegende benutzte Spritzbestecke sind eine Dauergefährdung für die AnwohnerInnen, insbesondere für Kinder.

So waren die Fürbitten von Frater Franziskus in der Andacht auch für die Menschen, die alltäglich mit dieser Situation konfrontiert sind: Barmherziger Gott, wir danken dir, dass du uns beistehst, wenn wir Kraft brauchen oder uns die Worte fehlen. Wir sehen hier täglich die Not der Menschen, die Frauen, die anschaffen gehen, die sich anbieten, Menschen, die auf der Suche nach Geld für Drogen sind, Menschen, die hungern und die Mülltonnen nach Essbarem durchsuchen. Lass uns nicht bitter werden, sondern nach Wegen suchen, dass alle satt werden und ihre Würde nicht beschädigt wird. Hilf uns aus dem Trübsinn, dass wir helfen, wo die Sucht und die Not besiegt werden muss. Hilf uns, wo wir hilflos sind.

Denn Hilflosigkeit macht sich oft breit unter den AnwohnerInnen. Obwohl inzwischen zahlreiche soziale Dienste, die Quartiersmanagements in Tiergarten-Süd und Schöneberg-Nord, die Bezirksämter und auch der Senat nach Vereinbarkeit zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen suchen, scheint sich die Situation nicht zu verbessern. Was hier im einzelnen geschieht, wird demnächst in einem weiteren Artikel auf potseblog berichtet.

Zunächst zurück zur Mittwochsinitiative. Als sie 1991 gegründet wurde hatten sich gerade die politischen Rahmenbedingungen durch eine neue Regierung in Bonn verändert. Der Drogenbeauftragte der Bundesregierung war nicht mehr dem Innenministerium, sondern dem Gesundheitsministerium zugeordnet. Im Rückblick schrieb Pfarrer Heinz-Hermann Wittrowsky 1999 in der Kiezzeitung des Quartiersmanagement, dem Schöneberger Morgen: Deutlicher kann man nicht zeigen, dass die neue Bundesregierung im Umgang mit Drogenabhängigen weg von der Repression und hin zur Gesundheitspolitik will. Also „Hilfe statt Repression“ und die Erkenntnis, dass Sucht eine Krankheit ist.

Im selben Artikel macht der Pfarrer die deutliche Aussage, dass krimineller Drogenhandel verfolgt und bestraft werden muss. Doch er kommentierte auch die gesellschaftliche Verantwortung. Die normalen Bürgerinnen und Bürger, die die illegalen Drogen dämonisieren, projizieren ihre legalen Süchte wie Nikotin- und Alkoholsucht auf eine kleine Gruppe. Das ist ein typischer Sündenbockmechanismus. Damit betreibt man einen kollektiven Exorzismus und glaubt, man sei das Problem los. Pfarrer Wittrowsky forderte die verantwortlichen PolitikerInnen auf, sich vor Ort ein Bild von den Verhältnissen zu machen.

Die angesprochenen Verhältnisse verdeutlichte die Mittwochs-Initiative 2005 in einer Statistik: Während 2001 durchschnittlich nur knapp 25 Leute jeden Mittwoch zum Spritzentausch kamen, waren es 2002 schon im Schnitt über 29 und 2003 nahezu 42. Im letzten Jahr (2004) waren es nur gut 39 Besucher, bis September diesen Jahres knapp 39. Der Rücklauf gebrauchter Spritzen in die Gefahrengutbehälter der Mittwochs-Initiative lag im letzten Jahr bei knapp 97,6 Prozent, in diesem Jahr bis September sogar bei knapp 98,2 Prozent. Wo heute noch eine Spritze in einem Hauseingang liegt, lagen früher einmal fünfzig!

Den Zahlen folgt ein Bild: Alle die seit März 2001 abgegebenen und fast vollständig wieder bekommenen knapp 45.000 Spritzen ergeben aneinandergereiht eine Strecke von mehr als 4,8 Kilometern. Aufeinander gestellt wäre dieser Spritzenturm sogar etwas höher als der Mont Blanc, der höchste Berg der Alpen und zweit höchste Berg Europas. Seit dem Beginn unserer Spritzentausch-Arbeit im Winter 1991/1992 dürften da vielleicht schon zwei Mont Everests zusammengekommen sein.

Dies zeigt, wie dankbar alle Betroffenen sein können, dass sich die Zwölf-Apostel-Gemeinde kontinuierlich und in Kooperation mit anderen Initiativen in der Drogenprophylaxe und Drogenarbeit engagiert.

Und da die Drogenproblematik eng mit der Prostitution hier an der Kurfürstenstraße verknüpft ist, findet man auch zu diesem Thema bei der Gemeinde immer offene Türen. Im Frühjahr 2008 konnte eine Informationsveranstaltung des Quartiersrates Magdeburger Platz zum Thema Prostitution im Gemeindehaus stattfinden. Damals kochten die Gemüter hoch, als ein Laufhaus an der Potsdamer Straße eröffnet werden sollte. Bei der Veranstaltung wurde der große Unmut deutlich, der in der Bevölkerung herrscht.

Im Juni 2009 wiederum konnte anlässlich des Internationalen Hurentages die szenische Lesung „Sexarbeit – eine Welt für sich“ in der Kirche selbst stattfinden. Deutschlands älteste autonome Beratungsstelle für Prostituierte, HYDRA e.V., bot in Kooperation mit dem Museum der Arbeit in Hamburg Einsicht in die soziale Realität von Freiern, Prostituierten und BordellbetreiberInnen. Die Schauspieler Ulrike Johannson und Thor W. Müller trugen zehn Milieugeschichten vor, begleitet von einer Toncollage. Die Lesung will Augenöffner sein für das vielschichtige Phänomen Prostitution zwischen stark nachgefragter, dennoch verdrängter Schatten-Arbeit sowie krimineller Ausbeutung. Zwar ist Sexarbeit keine Dienstleistung wie jede andere, aber sie ist eine legale Tätigkeit hierzulande, nicht mehr sittenwidrig nach dem Gesetz, ein einträglicher Wirtschaftsfaktor, trotzdem nahezu ein Tabuthema, sagten die VeranstalterInnen.

Gespräche und Dialoge über das Thema Drogen und Prostitution sind selten einfach. Auch hier im Gebiet gibt es viele scheinbar unversöhnliche Positionen dazu. Die Zwölf-Apostel-Gemeinde und die MittwochsInitiative sind Partner, die den Dialog immer wieder suchen. Dazu sagte Bischof Huber Ende August 2009 in der Andacht: „Wir sehen die Welt im Spiegel eines jeden Antlitzes, mit Abgründen und Hoffnung, Aufbrüche und Verzagtheit. Die Kultur des Helfens, wie sie sich hier in einer einzelnen Gemeinde und in unserer Diakonie darstellt, ist ein Garant dafür, dass Menschen nicht allein gelassen werden.“

 

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Blick über den Tellerrand: Lachen statt Kirchenglocken.

Kreuzberger Emmaus-Gemeinde knüpft an Tradition des Osterlachens an und startet ungewöhnliche Kunstaktion

Gelächter statt Kirchenglocken in der Emmaus-Kirche am Lausitzer Platz in Berlin-Kreuzberg: Ab Karsamstag, 23. April (18 Uhr) bis 7. Mai erklingt im Viertelstundenabstand ein herzhaftes Lachen vom Kirchturm. Je näher man der vollen Stunde kommt, desto anhaltender tönt das Gelächter. Gelacht wird täglich zwischen 10 und 18 Uhr, die Kirchturmglocken schweigen in dieser Zeit. Die Klanginstallation „Lachen erlaubt“ ist eine Kunstaktion der in Frankfurt am Main lebenden Künstlerinnen CaBri, Carolyn Krüger und Brigitte Kottwitz.

Zur Vernissage am Karsamstag, 23. April um 18 Uhr, eröffnet Pfarrer Jörg Machel die Kunstaktion. Im Anschluss hält der Berliner Religionswissenschaftler, Physiker, Philosoph und Lachtrainer Harald-Alexander Korp einen Vortrag. Das Thema: „Lacht Gott? Witz und Humor in den Religionen.“ Dabei wird es um Fragen gehen wie:  Worüber lachen Gläubige heute? Wo bleibt das befreiende Lachen im Christentum? Ist den Religionen das Lachen etwa vergangen?

Am Ostersonntag, den 24. April um 11 Uhr wird Pfarrer Machel in der Predigt auf die Kunstaktion eingehen. Den Brauch des Osterlachens, auf lateinisch risus paschalis, gibt es schon seit dem Mittelalter. Damals war es üblich, die Gottesdienstgemeinde durch eine besonders amüsante Predigt zum Lachen zu bringen – ein Ausdruck der Osterfreude. Das Osterlachen ist ein Zeichen dafür, dass der Tod besiegt ist. Auch diente es dazu, auf charmante Art und Weise Kritik an den Oberen zu üben.

Die Gemeinde Emmaus-Ölberg will den Osterlachbrauch im Gottesdienst mit  Hilfe von CaBri, H.-A. Korp und Mitgliedern der Lachbewegung Berlin erlebbar machen. Musikalisch unterstützen der Posaunenchor und die Orgel mit Ingo Schulz diesen besonderen Gottesdienst.

Am Weltlachtag-Sonntag, 1. Mai, wird im Tempelhofer Park weitergelacht. Der lachende Kirchturm ist mit den Lach-Aktivisten verbunden. Der Familiengottesdienst um 11 Uhr in der Emmaus-Kirche bleibt beim Thema und hat den Titel: „Mitgelacht statt ausgelacht“.

Carolyn Krüger und Brigitte Kottwitz arbeiten seit Jahren als Künstlerinnenpaar mit dem Namen CaBri zusammen. Die Installation „Lachen erlaubt“ haben sie bereits erfolgreich in Frankfurt am Main und in einer Dorfkirche im Odenwald inszeniert. Ihre künstlerischen Arbeiten umfassen Filme, Videos, Keramik und Installationen. Beide sind in der globalen Lachbewegung aktiv. Kottwitz gründete und leitet seit zwölf Jahren den Lachclub in Frankfurt, Krüger betreibt das deutsche Lachyogaforum Lachclub.info. Die Künstlerinnen sind an den Ostertagen anwesend.

Quelle: Presseinformation der Emmaus-Kirchengemeinde.

 
 

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Rückblick: Gemeindeversammlung 2011 in Zwölf-Apostel.

Die alljährliche Gemeindeversammlung in unserer gastgebenden Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde fand am Sonntag, 27. März 2011, im Anschluss an den Predigtgottesdienst im Großen Saal im Adolf-Kurtz-Haus statt. Unter anderem ging es bei den Beratungen um die Themen Taizé-Treffen und Rogate-Suppenküche.

Hier ein Einblick in das Geschehen:

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Verfasst von - 5. April 2011 in Rückblick

 

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