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Blick über den Tellerrand: Eine Woche Tagesevangelium von Sylt.

In dieser Woche legt Pastorin Susanne Zingel das Tagesevangelium im Domradio aus. Die Geistliche wirkt im nordfriesischen Dorf Kampen auf der Wattseite und lässt die besondere Lage auf der Nordseeinsel auch spirituell wirken:

Montag: In jener Zeit sagten einige Schriftgelehrte und Pharisäer zu Jesus: Meister, wir möchten von dir ein Zeichen sehen. Er antwortete ihnen: Diese böse und treulose Generation fordert ein Zeichen, aber es wird ihr kein anderes gegeben werden als das Zeichen des Propheten Jona. Denn wie Jona drei Tage und drei Nächte im Bauch des Fisches war, so wird auch der Menschensohn drei Tage und drei Nächte im Innern der Erde sein. Die Männer von Ninive werden beim Gericht gegen diese Generation auftreten und sie verurteilen; denn sie haben sich nach der Predigt de Jona bekehrt. Hier aber ist einer, der mehr ist als Jona. Die Königin des Südens wird beim Gericht gegen diese Generation auftreten und sie verurteilen; denn sie kam vom Ende der Erde, um die Weisheit Salomos zu hören. Hier aber ist einer, der mehr ist als Salomo. (Mt 12,38-42)

Dienstag: In jener Zeit, als Jesus noch mit den Leuten redete, standen seine Mutter und seine Brüder vor dem Haus und wollten mit ihm sprechen. Da sagte jemand zu ihm: Deine Mutter und deine Brüder stehen draußen und wollen mit dir sprechen. Dem, der ihm das gesagt hatte, erwiderte er: Wer ist meine Mutter, und wer sind meine Brüder? Und er streckte die Hand über seine Jünger aus und sagte: Das hier sind meine Mutter und meine Brüder. Denn wer den Willen meines himmlischen Vaters erfüllt, der ist für mich Bruder und Schwester und Mutter. (Mt 12,46-50)

Mittwoch: An jenem Tag verließ Jesus das Haus und setzte sich an das Ufer des Sees. Da versammelte sich eine große Menschenmenge um ihn. Er stieg deshalb in ein Boot und setzte sich; die Leute aber standen am Ufer. Und er sprach lange zu ihnen in Form von Gleichnissen. Er sagte: Ein Sämann ging aufs Feld, um zu säen. Als er säte, fiel ein Teil der Körner auf den Weg, und die Vögel kamen und fraßen sie. Ein anderer Teil fiel auf felsigen Boden, wo es nur wenig Erde gab, und ging sofort auf, weil das Erdreich nicht tief war; als aber die Sonne hochstieg, wurde die Saat versengt und verdorrte, weil sie keine Wurzeln hatte. Wieder ein anderer Teil fiel in die Dornen, und die Dornen wuchsen und erstickten die Saat. Ein anderer Teil schließlich fiel auf guten Boden und brachte Frucht, teils hundertfach, teils sechzigfach, teils dreißigfach. Wer Ohren hat, der höre! (Mt 13,1-9)

Donnerstag: In jener Zeit kamen die Jünger zu Jesus und sagten: Warum redest du zu ihnen in Gleichnissen? Er antwortete: Euch ist es gegeben, die Geheimnisse des Himmelreichs zu erkennen; ihnen aber ist es nicht gegeben. Denn wer hat, dem wird gegeben, und er wird im Überfluß haben; wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat. Deshalb rede ich zu ihnen in Gleichnissen, weil sie sehen und doch nicht sehen, weil sie hören und doch nicht hören und nichts verstehen. An ihnen erfüllt sich die Weissagung Jesajas: Hören sollt ihr, hören, aber nicht verstehen; sehen sollt ihr, sehen, aber nicht erkennen. Denn das Herz dieses Volkes ist hart geworden, und mit ihren Ohren hören sie nur schwer, und ihre Augen halten sie geschlossen, damit sie mit ihren Augen nicht sehen und mit ihren Ohren nicht hören, damit sie mit ihrem Herzen nicht zur Einsicht kommen, damit sie sich nicht bekehren und ich sie nicht heile. Ihr aber seid selig, denn eure Augen sehen und eure Ohren hören. Amen, ich sage euch: Viele Propheten und Gerechte haben sich danach gesehnt zu sehen, was ihr seht, und haben es nicht gesehen, und zu hören, was ihr hört, und haben es nicht gehört. (Mt 13,10-17)

Freitag: Am ersten Tag der Woche kam Maria von Magdala frühmorgens, als es noch dunkel war, zum Grab und sah, dass der Stein vom Grab weggenommen war. Da lief sie schnell zu Simon Petrus und dem Jünger, den Jesus liebte, und sagte zu ihnen: Man hat den Herrn aus dem Grab weggenommen, und wir wissen nicht, wohin man ihn gelegt hat. Maria stand draußen vor dem Grab und weinte. Während sie weinte, beugte sie sich in die Grabkammer hinein. Da sah sie zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, den einen dort, wo der Kopf, den anderen dort, wo die Füße des Leichnams Jesu gelegen hatten. Die Engel sagten zu ihr: Frau, warum weinst du? Sie antwortete ihnen: Man hat meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wohin man ihn gelegt hat. Als sie das gesagt hatte, wandte sie sich um und sah Jesus dastehen, wußte aber nicht, dass es Jesus war. Jesus sagte zu ihr: Frau, warum weinst du? Wen suchst du? Sie meinte, es sei der Gärtner, und sagte zu ihm: Herr, wenn du ihn weggebracht hast, sag mir, wohin du ihn gelegt hast. Dann will ich ihn holen. Jesus sagte zu ihr: Maria! Da wandte sie sich ihm zu und sagte auf hebräisch zu ihm: Rabbuni!, das heißt: Meister. Jesus sagte zu ihr: Halte mich  nicht fest; denn ich bin noch nicht zum Vater hinaufgegangen: Geh aber zu meinen Brüdern, und sag ihnen: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott. Maria von Magdala ging zu den Jüngern und verkündete ihnen: Ich habe den Herrn gesehen. Und sie richtete aus, was er ihr gesagt hatte. (Joh 20,1-2.11-18)

Sonnabend: In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater ist der Winzer. Jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, schneidet er ab, und jede Rebe, die Frucht bringt, reinigt er, damit sie mehr Frucht bringt. Ihr seid schon rein durch das Wort, das ich zu euch gesagt habe. Bleibt in mir, dann bleibe ich in euch. Wie die Rebe aus sich keine Frucht bringen kann, sondern nur, wenn sie am Weinstock bleibt, so könnt auch ihr keine Frucht bringen, wenn ihr nicht in mir bleibt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen. Wer nicht in mir bleibt, wird wie die Rebe weggeworfen, und er verdorrt. Man sammelt die Reben, wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen. Wenn ihr in mir bleibt und wenn meine Worte in euch bleiben, dann bittet um alles, was ihr wollt: Ihr werdet es erhalten. Mein Vater wird dadurch verherrlicht, daß ihr reiche Frucht bringt und meine Jünger werdet. (Joh 15,1-8)

 

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Aktuell: Das Tagesevangelium im Domradio.

Frater Franziskus ist in dieser Woche im Domradio in der Rubrik Tagesevangelium zu hören.

Montag: „In jener Zeit sagten die Jünger zu Jesus: Jetzt redest du offen und sprichst nicht mehr in Gleichnissen. Jetzt wissen wir, dass du alles weißt und von niemand gefragt zu werden brauchst. Darum glauben wir, dass du von Gott gekommen bist. Jesus erwiderte ihnen: Glaubt ihr jetzt? Sie Stunde kommt, und sie ist schon da, in der ihr versprengt werdet, jeder in sein Haus, und mich werdet ihr allein lassen. Aber ich bin nicht allein, denn der Vater ist bei mir. Dies habe ich zu euch gesagt, damit ihr in mir Frieden habt. In der Welt seid ihr in Bedrängnis; aber habt Mut: Ich habe die Welt besiegt.“ (Joh 16,29-33)

Dienstag: „In jener Zeit erhob Jesus seine Augen zum Himmel und sprach: Vater, die Stunde ist da. Verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrlicht. Denn du hast ihm Macht über alle Menschen gegeben, damit er allen, die du ihm gegeben hast, ewiges Leben schenkt. Das ist das ewige Leben: dich, den einzigen wahren Gott, zu erkennen und Jesus Christus, den du gesandt hast. Ich habe dich auf der Erde verherrlicht und das Werk zu Ende geführt, das du mir aufgetragen hast. Vater, verherrliche du mich  jetzt bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, bevor die Welt war. Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie gehörten dir, und du hast sie mir gegeben, und sie haben an deinem Wort festgehalten. Sie haben jetzt erkannt, dass alles, was du mir gegeben hast, von dir ist. Denn die Worte, die du mir gegeben hast, gab ich ihnen, und sie haben sie angenommen. Sie haben wirklich erkannt, dass ich von dir ausgegangen bin, und sie sind zu dem Glauben gekommen, dass du mich gesandt hast. Für sie bitte ich; nicht für die Welt bitte ich, sondern für alle, die du mir gegeben hast; denn sie gehören dir. Alles, was mein ist, ist dein, und was dein ist, ist mein; in ihnen bin ich verherrlicht. Ich bin nicht mehr in der Welt, aber sie sind in der Welt, und ich gehe zu dir.“ (Joh 17,1-11a)
Mittwoch: „In jener Zeit erhob Jesus seine Augen zum Himmel und betete: Vater, ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, damit sie eins sind wie wir. Solange ich bei ihnen war, bewahrte ich sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast. Und ich habe sie behütet, und keiner von ihnen ging verloren, außer dem Sohn des Verderbens, damit sich die Schrift erfüllt. Aber jetzt gehe ich zu dir. Doch dies rede ich noch in der Welt, damit sie meine Freude in Fülle in sich haben. Ich habe ihnen dein Wort gegeben, und die Welt hat sie gehaßt, weil sie nicht von der Welt sind, wie auch ich nicht von Welt bin. Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie vor dem Bösen bewahrst. Sie sind nicht von der Welt, wie auch ich nicht von der Welt bin. Heillige sie in der Wahrheit; dein Wort ist Wahrheit. Wie du mich in die Welt gesandt hast, so habe auch ich sie in die Welt gesandt. Und ich heilige mich für sie, damit auch sie in der Wahrheit geheiligt sind.“ (Joh 17,6a.11b-19)

Das Domradio ist als journalistisches Vollprogramm ohne Werbung lizenziert, in dem religiöse Elemente bewusste Programmschwerpunkte bilden. Die sonn- und feiertäglichen Gottesdienstübertragungen aus den Kirchen des Bistums, sowie die tägliche Laudes, Komplet und das Tagesevangelium sind feste Programmbestandteile. Eine „Frohe Botschaft“ gibt es auch in Form der Berichterstattung über Themen, die christliche Werte wie Nächstenliebe, Toleranz und Solidarität betreffen. Sonntags wird ab 10:00 Uhr live der Gottesdienst aus dem Kölner Dom und wochentags eine Stunde lang der deutschsprachige Dienst von Radio Vatikan übertragen.

 
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Verfasst von - 5. Juni 2011 in Aktuelles

 

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Gottesdienst: Betrachtung zum Sonntag Rogate.

Ein Privatsender wollte es wissen. Vor Jahren schickte er kurz vor dem Heiligen Abend ein Paar an die Türen zweier Pfarrhäuser und eines Klosters. Ein Test mit versteckter Kamera. Mal sehen, wie Kirchenleute auf eine Hochschwangere in Not und Schneegestöber reagieren. Gegen Mittagnacht klingelte man die Pfarrer raus: „Unser Zug ist abgefahren, haben kein Geld und brauchen eine Unterkunft!“
Test-Pfarrer 1 rief nach langer Zeit aus dem Fenster: „Der Pfarrer ist nicht da. Kommt morgen wieder! Die Tür ist zugeschlossen. Ich liege schon zu Bett und kann nicht aufstehen!“ Fremdschämen war angesagt, als er sich später vor der Kamera erklärte.
Pfarrer 2 öffnete und teilte knapp und entschieden mit: „Helfen kann ich euch nicht!“
Die Klosterbrüder hatten schließlich den Braten gerochen, denn dort gibt es keinen Bahnhof. Die Geschichte konnte nicht stimmen. Sie boten Mahlzeit und ein Bett für die Nacht. Und sie waren schließlich froh, dass sie beim Kirchen-Test gewonnen hatten…. hier weiterlesen…

Sie finden den Text von Frater Franziskus in der Wochenzeitung „Die Kirche“ vom 29.5.2011 in voller Länge hier.

Willkommen zu unseren Rogate-Gottesdiensten an diesem Wochenende in Berlin-Schöneberg: Sonnabend, 28. Mai, 12.oo Mittagsgebet vor der Kirche. 18.oo Uhr Vesper. Sonntag, 29. Mai, 10.oo Uhr Evangelische Messe. Die Ordnung der Rogate-Messe finden Sie hier. Bilder der Messe finden Sie hier.

So ermahne ich nun, dass man vor allen Dingen tue Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung für alle Menschen, für die Könige und für alle Obrigkeit, damit wir ein ruhiges und stilles Leben führen können in aller Frömmigkeit und Ehrbarkeit. Dies ist gut und wohlgefällig vor Gott, unserm Heiland,welcher will, dass allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Denn es ist „ein“ Gott und „ein“ Mittler zwischen Gott und den Menschen, nämlich der Mensch Christus Jesus, der sich selbst gegeben hat für alle zur Erlösung, dass dies zu seiner Zeit gepredigt werde. (Sonntag Rogate, Epistellesung 1. Timotheus 2, 1 – 6a)

 
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Verfasst von - 28. Mai 2011 in Gottesdienst

 

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Aktuell: „Lass dich nicht vom Bösen besiegen, sondern überwinde das Böse mit Gutem“

Zum 1. Mai in Berlin: Eine Betrachtung zur Jahreslosung 2011 von Pastor Bernhard Busemann, Wilhelmshaven.

Zwei Priester leben schon seit Jahren in enger klösterlicher Gemeinschaft zusammen. Sie spüren über die Jahre, dass sie sich immer mehr entfremdet haben. Sie kochen innerlich auf wenn der andere seine Meinung kund tut und an der geringsten Kleinigkeit entzündet sich schlechte Stimmung, Streit und Zwist. Eine Spannung, die das Innerste fast zum Zerreißen bringt.

Die alte Mönchsregel ist so einleuchtend. Denn da heißt es: Wende dich mit ganzem Herzen an den Bruder, mit dem du dich am wenigsten verstehst, denn er ist ein Spiegel deiner Dunkelheit.

Klingt geheimnisvoll und weise. Klingt richtig. Aber die beiden haben über die Jahre alles versucht und kommen miteinander nicht weiter. Jedes mal wieder dieses innere Aufkochen. Gefühle von Aggression und innerem Zerplatzen. Sie regen sich aneinander auf.

Der eine geht in seiner Hilflosigkeit zum Abt: Was soll ich nur machen? Der alte Abt hat eine gute Idee: Geh zum Klosterbrunnen im Hof und schöpfe daraus einen vollen Krug mit Wasser. Und jedes Mal, wenn du spürst, dass dein Bruder dich aufregt, nimm einen kräftigen Schluck vom Brunnenwasser. Nach einigen Wochen wendet sich der Bruder wieder vertrauensvoll an seinen Abt. Freudig erregt erzählt er ihm: „Das Brunnenwasser hilft! Ich bin ganz erstaunt. Das Verhältnis zu meinem Mitbruder ist wesentlich entspannter geworden. Wie geht das? Lüfte mir das Geheimnis des Brunnenwassers?“

Der Abt antwortet lächelnd: „Das Wasser trägt kein Geheimnis in sich. Aber wenn du einen Schluck davon nimmst, dann ist dein Mund voll kühlender Frische und du ersparst dir und deinem Gegenüber jeglichen Kommentar. Was auch immer er von sich geben mag und du davon hältst. Dein Mund ist entspannt und damit auch dein Gesicht und dein Herz.“

Überwinde das Böse mit Gutem. Manchmal braucht es vielleicht einen einfachen Trick, damit sich festgefahrene Lebenssituationen entspannen. Und das finden wir auch in den Gedanken von Paulus wieder. Lesen wir die Jahreslosung und den gedanklichen Zusammenhang aus dem Römerbrief im 12. Kapitel.

Auch wenn euch jemand Unrecht zugefügt hat, zahlt es nicht durch weiteres Unrecht zurück. Bemüht euch darum, allen Menschen gegenüber aufrichtig zu sein. Soweit es auf euch ankommt, lebt mit allen Menschen in Gottes Frieden. Rächt euch nicht selbst, Geliebte, sondern gebt dem gerechten Gericht Gottes Raum; denn es ist geschrieben: Die Rache liegt in meinen Händen, ich werde alles Unrecht vergelten, spricht Gott.

Wenn dein Gegner hungert, gib ihm etwas zu essen. Wenn deine Feindin Durst leidet, gib ihr zu trinken. Ein solches Verhalten häuft glühende Kohlen auf ihrem Kopf auf. Lass dich nicht vom Bösen besiegen. Sondern überwinde das Böse mit Gutem. (Römer 12,21)

Ganz starke Sprachbilder, die Paulus uns vor Augen zeichnet. Die glühenden Kohlen auf dem Kopf! In einigen Bibelübersetzungen wird das mit Schamesröte übersetzt. Wer kennt das Gefühl nicht, dass es einem die heiße Schamesröte ins Gesicht treibt? Wenn man dabei ertappt wird, dass man sich irgendwo im Dunkel, Verbotenen, auf der falschen, unrechten und unehrenhaften Seite des Daseins bewegt. Das Böse bekommt oft im ganz persönlichen Leben Kontur. Die Bibel greift schon ganz früh auf dieses Bild zurück. Der Baum der Erkenntnis von gut und böse.

„Und Gott der HERR nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte. Und Gott der HERR gebot dem Menschen und sprach: Du darfst essen von allen Bäumen im Garten, aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen sollst du nicht essen. Denn an dem Tage, da du von ihm isst, musst du des Todes sterben.“ (Gen 2,15-17)

Wir wissen, dass die Menschen im Paradies sich verführen lassen. Das sie sein wollen wie Gott und gut und böse eindeutig unterscheiden. Das Resultat: Sie fliegen aus dem Paradies. Die Schonzeit ohne Scham und Scheu ist vorbei. Das spannungsreiche und energiegeladene Drama des Menschseins beginnt.

Die Welt ist nicht nur gut, sondern wir spüren weit da draußen aber auch tief innen drin die ungeheuren Kräfte des Bösen, die uns oder andere aus der Bahn werfen oder die Schamesröte ins Gesicht treiben. Die Jahreslosung 2011 nimmt uns ohne Umwege mit hinein in diese uralte Spannung des Daseins. Sie weckt die tiefe Sehnsucht nach dem Guten.

Aber redet auch nicht weich drum herum: Das Böse fordert uns immer wieder zu einem sehr harten und kompromisslosen Kampf heraus.

Über eine Kleinigkeit im Bibelvers bin ich sofort gestolpert: Das Wort „Böse“ kommt zweimal vor. Das „Gute“ nur einmal. Ich glaube das ist bewusst so konstruiert und formuliert und soll ein mögliches  Kräfteverhältnis widerspiegeln.

Wie oft fühlt sich unser Leben ungerecht, unbarmherzig und brutal an. Wie stark sind die Gefühle von Aggression und Ablehnung gegenüber denen von liebevoller Zuwendung und Zärtlichkeit. Wie viel Kraft braucht es oft gegen eine finstere Vergangenheit, gegen eine Übermacht oder das Chaos anzuarbeiten? Und wie wenig Kraft bleibt, um helles und kreatives Licht zu sein, das hier und jetzt leuchtet?

Wie mächtig ist oft der Hass gegenüber der Liebe. Zweimal Böse. Einmal Gut. Lassen wir es gut sein!

Gut sein lassen. Das versucht der Maler und Christ Eberhard Münch mit seinem sehr dynamischen und feurigen Entwurf zur Jahreslosung 2011.

Strahlend helles Licht und ein hell leuchtendes Kreuz durchbrechen mit mächtigem Schwung die Dunkelheit und das tobende Chaos.

Spürbar wird: Zum Himmel hin wird das Bild deutlich ruhiger, die Farben und Konturen klarer und bestimmbarer. Der Himmel öffnet sich hellblau hinter einem gelben Horizont. Verkehrte Optik: Himmelaufgang statt Sonnenuntergang.

Blutrot-orange steht das Kreuz im Zentrum und Durchbricht oder verbindet alle Dimensionen und schöpft anscheinend unerschöpfliche Kraft aus der glanzhellen Mitte. Christus der Durchbrecher der Wirklichkeiten, der sich mutig und farbgewaltig hineintraut in alle Farbe und Unfarbe des Lebens. Wer seinem Weg folgt und sich von seiner Dynamik anstecken lässt, der entdeckt neue Wege und Horizonte. Eine kraftvolle und hoffnungsvolle Ansage. Aber auch eine stille Mahnung: Gut und Böse gehen fließend ineinander über.

Maße Dir nicht an, Mensch, dass du es wirklich klar unterscheiden und entlarven kannst, was wirklich gut oder böse ist. Da draußen in der Welt oder auch drinnen in dir. Es bleibt ein Ringen um Wahrheit. Es bleibt ein Kämpfen um den Sieg des Guten. Es bleibt eine unglaubliche Dynamik in unserem Leben. Und wahrscheinlich tut es gut, den Mund nicht zu voll zu nehmen mit klaren Ansagen was oder wer gerade gut oder böse ist.

Sondern manchmal hilft eher ein Schluck kaltes Wasser. Der den Mund von der Quelle her füllt mit beruhigender Stille und die Gesichtszüge entspannt und das Herz beruhigt.

Und vielleicht einen Gedanken ganz kühl durchkreuzend und doch sehr wärmend mit auf den Weg gibt:  „Lass dich nicht vom Bösen besiegen, sondern überwinde das Böse mit Gutem“ (Römer 12,21)

 
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Verfasst von - 1. Mai 2011 in Andachten

 

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Aktuell: Die Jahreslosung 2011.

Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. Römer 12,21

Do not be overcome by evil, but overcome evil with good.

Ne győzzön le téged a gonosz, hanem a gonoszt jóval győzd meg.

Kötülüğe yenilme, kötülüğü iyilikle yen.

La ikke det onde ta overhånd, men vinn over det onde ved å gjøre godt.

لاَ تَدَعِ الشَّرَّ يَغْلِبُكَ، بَلِ اغْلِبِ الشَّرَّ بِالْخَيْرِ.

Не се оставяй да те побеждава злото; но ти побеждавай злото чрез доброто.

Lat di nich vun dat Böse unnerkriegen! Nä, bring du dat Böse dörch Goode ünner de Föt!

Eine Betrachtung zur Jahreslosung von Pastor Bernhard Busemann finden Sie hier.

Bild: Godnews

 
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Verfasst von - 9. Januar 2011 in Aktuelles

 

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Losung: Aus dem Buch Hiob.

Losung und Lehrtext für Samstag, 5. Juni 2010

Ich erkenne, dass du alles vermagst, und nichts, das du dir vorgenommen, ist dir zu schwer. Hiob 42, 2

Jesus sprach: Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich.  Lukas 18, 27

 
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Verfasst von - 5. Juni 2010 in Sonstiges

 

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Blick über den Tellerrand: Rückendeckung für Präses Alfred Buß

Präses Alfred Buß demonstrativ den Rücken stärken und gleichzeitig mehr Liberalität im Umgang mit Homosexualität erreichen, das ist das erklärte Ziel der UnterzeichnerInnen einer Onlinepetition, die seit gestern im Internet kursiert. Anlass dieser Petition war ein offener Brief an Buß, in dem diesem von einigen PfarrerInnen vorgeworfen worden war, seine Haltung zur Homosexualität entferne ihn „von der biblischen Orientierung“.

Diesem Vorwurf stellen sich nun die über 100 ErstunterzeichnerInnen der Petition entgegen. Neben ihrer Unterstützung für Buß und der Verteidung seiner Positionen, erweitern sie ihre Stellungnahme auch noch um eigene Gedanken: Die biblische Botschaft der Annahme jedes Menschen unabhängig von seiner sexuellen Orientierung sei auch und gerade für die heranwachsende Generation wichtig. „Sie wird sie nicht verunsichern, sondern im Gegenteil befreien und stark machen, ihre sexuelle Orientierung zu entdecken und verantwortunsgbewusst zu leben“, so der Wortlaut der Petition. Insofern sei diese Botschaft Bestandteil der befreienden Botschaft des Evangeliums von Jesus dem Christus.

Im Punkt der Trauung von homosexuellen Paaren, gehen die UnterstützerInnen sogar noch einen Schritt weiter und fordern die vollständige Gleichberechtigung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften, da es auch in diesen häufig genug Kinder gebe und somit kein Unterschied zu einer heterosexuellen Beziehung erkennbar sei. „Wenn in einer Partnerschaft generationenuebergreifende Verantwortung gelebt wird, so ist dies Grund genug, dies staatlich, aber auch kirchlich anzuerkennen und zu fördern.“

Ein ambitioniertes Ziel, dessen ist man sich durchaus bewusst. Aus diesem Grund begrüße man die Anregung des Präses, die Diskussion nicht abreißen zu lassen, so die InitiatorInnen. Das letzte Wort aber, soviel ist sicher, ist in dieser Angelegenheit noch lange nicht gesprochen.

Im Jahre 2004 wurde Alfred Buß zum Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen gewählt und ist seither in der Nachfolge von Manfred Sorg leitender Geistlicher dieser Landeskirche, was dem Amt des Bischofs in anderen Landeskirchen entspricht.

Quelle: Theologiestudierende.de

Zur Petition geht es hier.

 
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Verfasst von - 18. November 2009 in Aktuelles, Blick über den Tellerrand

 

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