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Meinung und Umfrage: „Homosexuelle Pfarrer?“

20 Mrz

Ein Beitrag von Wolf-Dieter Steinmann, Rundfunkpfarrer am SWR (ZfK)

Homosexualität in der Kirche: Viele verstehen die Diskussion darüber nicht mehr. Wie kann man immer noch darüber streiten, ob ein Pfarrer mit seinem Partner gemeinsam im Pfarrhaus leben kann oder nicht. ‚Hat die Kirche keine anderen Sorgen‘, fragen viele. Hat sie.

Und trotzdem. In der evangelischen Kirche wird zurzeit sehr kontrovers über homosexuelle Pfarrer diskutiert. Evangelische Synoden sollen ein Gesetz verabschieden, das vorsieht, dass ein Gemeindepfarrer oder Pfarrerin mit ihren gleichgeschlechtlichen Partnern im Pfarrhaus leben können.

„Grundsatzfragen können in der Kirche nicht einfach pragmatisch entschieden werden. Grundsatzfragen werden in der evangelischen Kirche immer im Gespräch mit der Bibel geklärt.“

Auch wenn viele das schwer verstehen, für viele Christen ist das eine Grundsatzfrage. Und Grundsatzfragen können in der Kirche nicht einfach pragmatisch entschieden werden. Man kann sich auch nicht nur anpassen, wenn sich Wert- und Lebensvorstellungen in der Gesellschaft wandeln. Grundsatzfragen werden in der evangelischen Kirche immer im Gespräch mit der Bibel geklärt. Sie ist Basis und Orientierungsmarke, nicht nur für den Glauben, sondern auch für die Art und Weise wie das Leben gelingen kann.

Abwägungen

In der Bibel stehen Sätze, in denen homosexuelle Praxis energisch abgelehnt wird, als „Gräuel“ oder als „gegen die Natur“. Das kann niemand, der die Bibel ernst nimmt, wegwischen.
Trotzdem finde ich persönlich richtig, dass homosexuelle Partner miteinander im Pfarrhaus leben können. Und ich hoffe sehr, dass Synoden in diesem Sinn entscheiden.
Wieso? Für mein Verständnis würde ein Verbot des Zusammenlebens gegen andere Stellen in der Bibel stehen, die ich für wichtiger erachte und zentraler.

„Für mich bedeutet Nächstenliebe, dass ich Sexualität und Glück des anderen nicht unmöglich mache, sondern achte und ihm gönne, wenn er verantwortlich lebt.“

Das gibt es öfter, dass man bei Auseinandersetzungen biblische Aussagen miteinander abwägen muss. Ich finde, man muss die verschiedenen Lebensverhältnisse sehen, um zu verstehen, was biblische Sätze heute bedeuten. In den Passagen, in denen die Bibel von gleichgeschlechtlicher Sexualität spricht, geht es nicht um Lebenspartnerschaften. Ich kann darum eine homosexuelle Partnerschaft heute nicht mehr als „Gräuel“ verstehen, weil ich dann die Nächstenliebe missachten würde. Für mich bedeutet Nächstenliebe, dass ich Sexualität und Glück des anderen nicht unmöglich mache, sondern achte und ihm gönne, wenn er verantwortlich lebt.

Ich stelle mir vor, wie es wäre, wenn eines meiner Kinder einen gleichgeschlechtlichen Partner hätte? Ich könnte doch nicht sagen, ich liebe Dich zwar, aber nur, wenn Du Deinen Partner vor mir versteckst und Dich damit verleugnest. Menschen, die einander lieben und auf Dauer Verantwortung füreinander übernehmen, ich glaube, die leben nicht gegen ihren Schöpfer.

Quelle: Wort zum Tag, SWR2

Der Autor hat uns freundlicherweise die Genehmigung erteilt, seinen Text auf die Rogate-Seite zu stellen. Vielen Dank.

Lesetipp: „Auch ein nicht ganz durchgebratenes Steak gilt in der Bibel als Gräuel.“

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5 Kommentare

Verfasst von - 20. März 2011 in Meinung, Umfragen

 

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5 Antworten zu “Meinung und Umfrage: „Homosexuelle Pfarrer?“

  1. Thomas Szymczak

    20. März 2011 at 13:57

    Die Kirche und „Ihre“ Probleme… Alle Menschen sollten sich zu Ihrer Sexualität bekennen (dürfen), auch Päderasten und Sodomisten. Nur so kann Ihnen geholfen werden und es bleibt nicht im Sumpf des Unerkannten. Wie wir Homosexuelle wissen, ergeben sich nur Probleme wenn man sich versteckt und lügen muss. Zum anderen bin ich der Meinung, dass die „Gesellschaft“, sprich: jeder einzelne NICHT mit Freiheit und Ehrlichkeit umgehen kann. Die ersten die ehrlich sind werden erst einmal gesteinigt. Sie dürfen sich als Märthyrer fühlen, aber gedankt wird es ihnen nicht. Aber einer muss anfangen! Nur dann können andere folgen. Wer hätte heute gedacht, dass wir Schwule Hand in Hand auf der Straße laufen können und uns auf das Grundrecht berufen können? Aber diese Rechte, für die einst unsere „Kollegen“ mit dem Tod bezahlten, müssen wir achten und jeden Tag neu „verdienen“. Lassen wir zu, dass man unsere Rechte einschränkt, sind viele von uns umsonst gestorben.

    Nun, ich bin ein Ungläubiger. Ich tue Gutes aus Überzeugung und muss mich auf nichts berufen. Pfarrer sein ist heute doch eher ein Beruf, und wenn der Chef was dagegen hat, muß man wissen, was gut für einen ist. Nun, wer ist der Chef ? Unsere Käthe oder der uns unbekannte Gott, die Figur die sich nie zeigt?

    Pfarrer und Kirche sollten sich nicht mehr so wichtig nehmen und an sich als Mensch arbeiten. Es liegt einfach zu viel im Argen, dass gerade die Kirche sich über allzu menschliches hinwegsetzt und das vermeintliche Ideal „anbetet“ und gar veraussetzt, was nicht zu erfüllen, da unmenschlich ist.

     
  2. Lars

    21. März 2011 at 11:06

    Ein schwuler Pastor wäre für mich ein Grund sofort die Gemeinde zu verlassen.

    Die Welt außerhalb der Kirche ist schon schlimm genug, da brauche ich kein Sodom und Gomorra im Pfarramt.
    Homosexualität ist vollkommen unbiblisch, aber man kann sich ja heute jede Religion so zurechtbiegen wie man es gerade braucht.

    Pfarramt ist Pfarramt und keine Schwulenpuff….

     
    • Matze

      22. März 2011 at 12:20

      Komisch das die Leute das Wort „schwul“ immer gleich mit Sodom und Gomorra abstempeln, dabei sind diese Leute meißt viel schlimmer. Möchte nicht wissen, was so manch einer auf seinem Gewissen hat und dann in die Kirche rennt um sich “ rein zu waschen“. Schlimm, schlimm, das manche echt noch hinterm Berg wohnen.

       
  3. Spreeroi!ber

    21. März 2011 at 21:36

    Hallo Lars,

    Die Bibel enthaelt sechs Ermahnungen an Homosexuelle und und ueber 360 Ermahnungen an Heterosexuelle. Das bedeutet aber nicht, dass Gott die Heterosexuellen weniger liebt, sie muessen nur ein wenig mehr aufpassen…

    In diesem Sinne – pass gut auf Dich auf!

     
  4. Franzi

    4. April 2011 at 16:05

    hallo,

    natürlich ist es gut verschiedene meinungen in einer diskussion zu haben, aber eine meinung, die allein darauf basiert mit bibelstellen aufzuwarten ist insofern fragwürdig, da sie häufig im voraus nicht exegetisch untersucht wurden – also u.a. der mikro-, makro- und mezzokontext und auch die übersetzungsmöglichkeiten nicht genau betrachtet werden.

    so kann es schnell passieren, dass die bibel wirklich missbraucht wird und zweckentfremdet wird.
    und in einer diskussion ist so ein vorgehen eher hinderlich, da ein möglichst fairer diskussionstil so unterbunden wird.

    alles gute

     

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