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Blick über den Tellerrand: »Die Potsdamer Straße. Geschichten, Mythen und Metamorphosen«

05 Mrz

Vor dem Potsdamer Tor war die Gegend um die Potsdamer Chaussee, später Potsdamer Straße, vor 1800 ländlich. Hugenotten hatten Spargelfelder angelegt, es gab Gärtnereien und Sommerlokale, die Berliner fuhren auch gern zum Botanischen Garten (heute Kleistpark) und zu den Schöneberger Ausflugslokalen. Zwischen dem Tor, dem Tiergarten und dem Kanal entstand das Tiergartenviertel, vor allem Gelehrte, Schriftsteller, Maler siedelten sich hier an. 1846 wurde die St. Matthäus-Kirche eingeweiht, *Des lieben Gottes Sommervergnügen* genannt. Erster Pfarrer war Carl Büchsel, zu dessen volksnah-kernigen Predigten die ganze Prominenz Berlins pilgerte. Wer es sich leisten konnte, zog aus Berlin hinaus, und so wuchsen Berlin und Schöneberg aufeinander zu. 1868 wurde die katholische Kirche St. Matthias an der Potsdamer Straße erbaut (später neu am Winterfeldtplatz), 1874 die evangelische Zwölf-Apostel-Kirche eingeweiht, 1984 schließlich die Lutherkirche. Während in diesen Quartieren Mietshäuser in geballten Blöcken gebaut wurden und vor allem die ärmere Bevölkerung lebte, galt das Viertel um die St. Matthäikirche bis ins 20. Jh. als bevorzugte Wohnlage, sowohl bei den christlichen wie bei den jüdischen begüterten Schichten. Der Verein Tiergarten-Synagoge e.V. eröffnete bei der Potsdamer Brücke 1875 die erste Synagoge des Gebiets. 1898 wurde nahe der Potsdamer Straße, Lützowstraße 16, die große
Gemeinde-Synagoge eingeweiht. Die Vereinssynagoge wurde 1928 verkauft, an der Ecke wurde eines der frühen Hochhäuser gebaut. In der NS-Zeit organisierten einige Pfarrer des Gebietes Widerstand. Es waren vor allem Adolf Kurtz an Zwölf-Apostel, Erich Backhaus an St. Matthäus, Eitel von Rabenau an der Apostel-Paulus-Kirche in der Schöneberger Grunewaldstraße sowie Mitglieder der Goßnerschen Mission in der Handjerystraße in Friedenau, die sich für die Verfolgten einsetzten. Heute sind soziales Engagement und Ökumene wichtige Aufgaben der Gemeinden.

Quelle: Presseinfo des Literatur-Salon Potsdamer Straße

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