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Blick über den Tellerrand: Oberkirchenrat Wagner kritisiert Leiter von idea für Annahme eines Preises der „Jungen Freiheit“

28 Dez

Der Bildungsdezernent der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), Oberkirchenrat Christhard Wagner, kritisiert die Annahme des Gerhard-Löwenthal-Ehrenpreises durch den Leiter der Evangelischen Nachrichtenagentur idea, Helmut Matthies. Den Preis vergibt die rechts-konservative Wochenzeitung „Junge Freiheit“ seit 2004 an Journalisten und Publizisten. Matthies wurde der Preis von der „Jungen Freiheit“ Anfang Dezember „für seine Rolle als Pionier des christlich-konservativen Journalismus in Deutschland“ übergeben.

In Briefen an Matthies und an Horst Marquardt, den Vorsitzenden des idea-Trägervereins, fordert Wagner dazu auf, den Preis zurückzugeben. Idea müsse sich deutlich von der „Jungen Freiheit“ distanzieren. „Wir sehen mit der Annahme des Preises die Gefahr verbunden, dass die Tabugrenze im Graubereich zum Rechtsextremismus weiter nach unten verschoben wird“, so Wagner. Das dürfe nicht unwidersprochen bleiben. „Als Leiter und Chefredakteur setzt Helmut Matthies nicht nur die publizistischen Leitlinien der Zeitschrift ideaSpektrum und der Agentur idea. Er repräsentiert idea auch in der Öffentlichkeit. Mit der Annahme des Gerhard-Löwenthal-Ehrenpreises lässt Matthies die gesamte idea-Redaktion auf dem Grat zum rechts­extremen Milieu balancieren.“

Wagner verweist auf das „Wort an die Gemeinden“. In dem von der EKM-Kirchenleitung im April 2008 zum Thema Rechtextremismus veröffentlichten Papier heißt es: „Auf der Grund lage des biblischen Zeugnisses stellt die Kirchenleitung fest, dass Rechtsextremismus und christlicher Glaube unvereinbar sind. Die Kirchenleitung fordert deshalb die Kirchengemein den und kirchliche Einrichtungen auf, rechtsextremes und fremdenfeindliches Gedankengut auch in ihren eigenen Reihen wahrzunehmen und dagegen anzugehen.“

Quelle: Pressemitteilung der EKM

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2 Kommentare

Verfasst von - 28. Dezember 2009 in Blick über den Tellerrand

 

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2 Antworten zu “Blick über den Tellerrand: Oberkirchenrat Wagner kritisiert Leiter von idea für Annahme eines Preises der „Jungen Freiheit“

  1. Martin

    29. Dezember 2009 at 05:56

    Der DDR-Zweig der Kirche hat sich anscheinend durch die Wende nicht veraendert.

    Zitat der Synode der Evangelischen Kirche Deutschland:
    „Es gibt natürlich auch linksextreme Gewalt, die auch nicht gut ist, aber sie wendet sich nicht gegen Menschen und nicht gegen die Kirche und ist damit nicht unsere Priorität.“

    Das bedeutet, dass die Frau, die letztens durch einen Molotow-Cocktail schwere Verbrennungen erlitt und die Anschlaege gegen Polizisten sich nicht gegen Menschen richten?

    Diese Aussage laesst mich genauso mit dem Kopf schuetteln, wie als vor einiger Zeit las, dass Bibelschülerinnen im Jemen ermordet wurden, und diese dort angeblich auch missionierten, was in moslemischen Laendern in der Regel den Tod oder Gefaengnis bedeutet.

    Da ein Grossteil der ehemaligen hohen DDR-Kirchendiener fuer die Stasi taetig war, z.B. „IM Ingo“, aber nach der Wende, daraus keine Konsequenzen erleiden mussten, habe ich ein Problem damit, politische Aussagen des DDR-Ablegers der Kirche als unbedingt glaubhaft zu sehen.

    Ich war selber ein Stasi-Opfer und habe nicht mal eine Entschuldigung von den Verantwortlichen gehoert, und als wenn dies nicht genug waere, konnten die meisten dieser Leute nach der Wende in guten Positionen weiterarbeiten.`

    Fuer einen Regimefreund der ehem. DDR ist z.B. sicherlich alles, was nicht links ist, rechts.

    Politisch korrekt wäre uebrigens der Hinweis gewesen, daß das Bundesverfassungsgericht der Zeitschrift die volle Verfassungskonformitaet bescheinigt hat.

    Das Bundesverfassungsgericht begründete seine Entscheidung mit dem Hinweis, bloße Kritik an Verfassungswerten reiche nicht aus, um einer Zeitung verfassungsfeindliche Bestrebungen zu unterstellen.

     
  2. Marco Reese

    30. Dezember 2009 at 12:17

    Volle Zustimmung meinem Vorredner.

    Ich möchte noch ergänzen, daß sich Terror von links stets – d. h. schon seit der Frz. Rev. – auch und gerade gegen die Kirche richtete, was ideologische Gründe hat. Das liegt eigentlich auf der Hand.

    Und gerade deshalb sollten eben solcher Terror und seine Grundlagen gerade Priorität in der Auseinandersetzung mit modernen, antichristlichen Ideologien (als Ersatzreligionen oder -mythen) haben.

    Im übrigen weist das nationalsozialistische Vorgehen gegen das Christentum große Ähnlichkeiten zu dem der Jakobiner und Kommunisten auf. Auch hier ging es die Bekämpfung des christlichen Glaubens und der christlichen Lehre im Namen einer anthropozentrischen, materialistischen Hybris.

    Das aber begreifen die Linksprotestanten von heute, die mit Luther nichts mehr zu tun haben und denen vermutlich das Jungluthertum der Zwischenkriegszeit (Althaus, Elert, Gogarten usf.) zu „rechts“ ist, nicht mehr:

    daß der NS in den modernen Kontext gehört, aber nur einer von mehreren Teilen desselben ist, daß vorher, zugleich und nachher, d. h. auch heute, andere Gefahren drohten und drohen.

    Daß „rechts“ und NS nicht dasselbe sind.

    Daß man sich durch die Beteiligung am „Kampf gegen rechts“ wieder einmal, was aufgrund des geringeren Traditionsbezugs und des Fehlens eines übergeordneten Lehramts im Protestantismus immer einfacher war, den jeweils Mächtigen andient.

    Und man hält das auch noch für gut.

    Ja, 1933 konnte Sportpalast-Krause sagen:

    „judenblütige Menschen gehören nicht in die deutsche Volkskirche, weder auf die Kanzel, noch unter die Kanzel. Und wo sie auf den Kanzeln stehen, haben sie so schnell wie möglich zu verschwinden.““

    Auf der Grundlage eines rassischen, undifferenzierten Verständnisses vom Judentum wollte man gar das Alte Testament entfernen, was der kirchlichen Tradition völlig zwiderlief. Hier sollte diese einem Modernismus weichen, denn die nationalistische Verzerrung des Christentums ist ein solcher (etwas anderes ist die nötige theologische Einordnung des Volkstums. Das ist nicht dasselbe, würde aber von gewissen Offiziellen der heutigen Zeit sicher ineinsgesetzt werden.)

    Damals waren es übrigens auch heute teils beargwöhnte Theologen wie Paul Althaus, die sich gegen die ärgsten Auswüchse wandten.
    (Schon 1925 sagte der „rechtsradikale“ [da DNVP-Mitglied) Theologe Johannes Schneider: „„Wer das Alte Testament preisgibt, wird bald auch das Neue verlieren.“]

    So viel dazu.
    Und wo wurden diese Auswüchse vertreten?

    In Thüringen!

    Und wer sollte heute, wenn es nach Käßmann oder bspw. Michael Haspel von der Ev. Akademie in Thüringen (wieder Thüringen) ginge, ausgeschlossen werden?

    „Rechtsextreme“, „Nazis“ – oder was man dafür hält.

    Zur Not vllt. auch ein Dr. Sauerzapf oder ein Herr Matthies.

     

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