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Blick über den Tellerrand: „Ehrenamt braucht Profis“

27 Okt

Eine Pressemitteilung der EKD zur Synode in Ulm (Oktober 2009)

Einem „neuen Typus von Ehrenamtlichkeit“ müsse die Kirche noch stärker Rechnung tragen, heißt es in der Vorlage zum Kundgebungsentwurf der 2. Tagung der 11. Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Ulm. Neben dem „klassischen“, „altruistischen Typus“ wachse die Zahl derer, die für ihr Engagement „auch etwas haben wollen. Kein Geld, wohl aber Anerkennung, Ausbildung, Einfluss“, erläuterte Klaus Eberl, Vizepräses der Synode und Vorsitzender des Vorbereitungsausschusses. Um die Potenziale beider Formen von Ehrenamtlichkeit auszuschöpfen, skizziert der Text zum Schwerpunktthema der Synode: „Ehrenamt evangelisch. Engagiert“ eine Fülle von Handlungsfeldern. Denn: „Das bürgerschaftliche Engagement in der Gesellschaft ist unersetzlich für den Zusammenhalt eines sich ausdifferenzierenden und individualisierenden Gemeinwesens“.

„Viele Menschen nehmen heute das Engagement als Chance für die eigene Persönlichkeitsentwicklung wahr“, heißt es im Textentwurf. Die „neuen Engagierten“, wollten ihre Interessen einbringen, sich schulen lassen, Kompetenzen entwickeln. Aufgabe der Kirche sei es, sich für diesen neuen Freiwilligentyp zu öffnen. Dreh- und Angelpunkt dieser Aufgabe ist eine neue Verhältnisbestimmung zwischen Haupt- und Ehrenamt. Die Nürnberger Gemeindepädagogin Beate Hofmann forderte diesem Zusammenhang eine „Metamorphose der Rollenbilder von Haupt- und Ehrenamtlichen“ auf allen Ebenen kirchlichen Handelns. Auch Klaus Eberl betonte: „Wer glaubt, durch Ehrenamt Personalkosten einsparen zu können und gleichzeitig Angebot und Qualität zu erhalten, hat nicht verstanden, dass das Ehrenamt anderen Logiken und Kulturen folgt als berufliche Arbeit.“ Eine enge Anbindung an das Hauptamt sei nötig, die Vermeidung des „unvermeidlichen Informationsgefälles“, und vor allem: „Motivation, Begleitung und Ausbildung“ der Hauptamtlichen.

„Ehrenamt braucht Profis als Gegenüber, die die paradoxe Aufgabe bewältigen, Kreativität von Ehrenamtlichen zu organisieren“, unterstrich auch Beate Hofmann. Philipp Stoellger, Professor für Systematische Theologie und Religionsphilosophie an der Universität Rostock, warf in diesem Zusammenhang die Frage auf, ob das Engagement den Bedürfnissen von Kirche angepasst werden soll, eingeordnet „mit den Mitteln des Amtes“. Er verwies auf die Gefahr der Engführung und der Eindämmung von Kreativität. Auch Beate Hofmann sprach sich dafür aus, dass kirchliche Planungsprozesse verändert werden sollten, „weg vom Fokus auf den kirchlichen Bedarf, hin zu den Bedürfnissen und Ideen der Ehrenamtlichen“. Sie machte aufmerksam auf ein „Alleinstellungsmerkmal kirchlichen Ehrenamts“: die geistliche Begleitung: „Wenn Ehrenamtliche in der Begleitung ihres Engagements spirituellen Reichtum und ethische Reflexion erleben, werden sie diese auch weiter geben.“ Insofern habe die kirchliche Begleitung Ehrenamtlicher auch eine missionarische Dimension.

Der Kundgebungstext beschreibt weitere Aufgaben der Kirche. So sei es wichtig, die Bereitschaft zum Ehrenamt in allen gesellschaftlichen Gruppen zu stärken. „Bildungsangebote ebenso wie die Gewährung von Aufwandsentschädigungen helfen, Barrieren abzubauen.“ Geringverdiener, Arbeitslose und Migranten sollten einen besseren Zugang zum Ehrenamt erhalten. Außerdem müssten alle Generationen in den Blick genommen werden. Im Blick auf Jugendliche, deren Engagement oft früh geweckt werden könne, sprechen sich die Mitglieder des Vorbereitungsausschusses für ein Freiwilligendienstgesetz zur Stärkung des freiwilligen sozialen, diakonischen oder ökologischen Jahres aus.

Eine Schlüsselaufgabe schließlich sei die Fort- und Weiterbildung und die Würdigung von Ehrenamtlichen. Dafür sei es unerlässlich, beruflich Mitarbeitende noch stärker dahingehend zu qualifizieren, dass sie Ehrenamtliche angemessen „fördern und begleiten“ können. Dieser Aspekt steht auch für Beate Hofmann im Mittelpunkt: Das Ehrenamt sei für Haupt- und Ehrenamtliche „ein Bildungsthema“.

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